Die traditionelle mittlerweile 18. Gedenkfeier für die Opfer des Faschismus fand diesmal am Todesmarsch-Mahnmal in Königsdorf statt. Veranstalter waren die VVN-Bund der Antifaschisten sowie Bündnis 90/DIE GRÜNEN, der Trägerverein Pfadfinderheim und DIE LINKE Geretsried-Wolfratshausen. Im folgenden dokumentieren wir die Ansprache von Lutz Hänsel (DIE LINKE).
"Als der faschistische Krieg endete, blieb das Leben Vielen verwehrt.
Auch hier an dieser Stelle, wo das Denkmal steht, ist die Erde blutgetränkt.
Nicht weit von hier sind viele gestorben.
Drüben bei Eurasburg sind viele gestorben.
Grünwald, Buchberg bis Bad Tölz.
Nach der Befreiung wurden Gewerkschaften und demokratische Parteien wieder zugelassen. Verbrannte Bücher, Theaterstücke und Lieder konnten wieder öffentlich vorgetragen werden.
Wir Deutschen lernten aber auch neue Lieder kennen – wie das von den Moorsoldaten.
Gehen wir doch mal anders heran:
Wie viele Deutsche haben das Kriegsende als ihre eigene persönliche Schmach und Niederlage erlebt?! Welche Grundhaltung haben sie denn dann verbreitet?
Und wie viele von ihnen verwiesen später darauf, von Dachau, Auschwitz und Buchenwald kaum etwas gewusst zu haben.
Sie waren vor 1933
aus der Ausbildung direkt in die Dauerarbeitslosigkeit geraten,
oder Söhne pleite gegangener Kleinunternehmer
oder einfach sozusagen soziales Strandgut.
Mit ihren vor Zorn, Untätigkeit, Neid und Wut in der Tasche geballten Fäusten waren sie den Hitler, Goebbels, Strasser und Röhm hinterhergelaufen.
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Sozialisten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialist.
Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ (Niemöller)
Manche laden die Hauptschuld am Krieg und an Auschwitz auf W i r r k ö p f e ab,
sie wollen vergessen (machen), dass es vor allem andere gab, die den aufhaltsamen Aufstieg der Hitler und Himmler bewirkt haben.
Sie hatten Abitur und oft den »Doktor«,
sie hatten zuweilen »Mein Kampf« gelesen,
sie kannten Hitler,
sie wussten genau, was »Endlösung« bedeutete.
Mir ihren akademischen Graden und Examina, mit ihren Besitztiteln an Konzernen und Banken stehen sie unter dem Aufforderungsbrief der »Harzburger Front« an Reichspräsident Hindenburg, Hitler endlich zum Reichskanzler zu ernennen.
Jetzt sofort!
Denn gerade Ende 1932 hatte die NSDAP Millionen Wählerstimmen an demokratische Parteien verloren.
Und im Januar 1933 wurde bekanntlich auch das restliche Stückchen an Macht in seine Hände gegeben.
Und das sind sie:
diese honorigen Namen stehen auf der Liste der »Adolf-Hitler-Spende« des Jahres 1933 wie auch auf anderen Listen als Hitler-Finanziers und -Profiteure:
Deutsche Bank, Dresdner Bank, Daimler, Krupp, Stinnes, Hoesch, Klöckner, Bankhaus von Schröder – um nur einige zu nennen, die 1945 nach ursprünglichen Plänen der damaligen US-Regierung als Kriegsverbrecher enteignet werden sollten. Was sie nicht wurden.
Einigen von ihnen war anfangs bei der Unterstützung für Hitler vielleicht noch mulmig. Stärker aber war ihr Appetit auf ausländische Groß-Kapitalien, die ihnen nach einem Feldzug der Wehrmacht übertragen werden würden.
Wenn nur endlich dieser Hitler die Gewerkschaften und Sozialisten verbieten würde!
Damit die Löhne schnell auf Krisenniveau gepresst werden konnten, damit Zwangsarbeit und Billigstjobs bald zum sozialen Alltag würden! (Verdammt aktuell)
Vergessen wir also diese Profiteure nicht. Manche Namen stehen heute wieder auf der Börsenliste der Kriegsgewinnler in Jugoslawien, Afghanistan und dem Irak. Bald auch im Iran?
Und mancher Nutznießer von heutigen neoliberalen Sozialraubzügen, mancher Profiteur an Welthunger und Klimakatastrophe war damals schon dabei.
Ist »Wirtschaftsenergie« kriminell?
Kürzlich sagte ein Chefmanager der Degussa, in ihrer Firmenspitze sei damals kein einziger fanatischer Nazi gewesen. Man solle doch heutzutage Verständnis haben.
Es sei doch nur um eine kühle Renditeabwägung gegangen.
Und auch heute gilt: Denn sie wissen, was sie tun.
Wo Krieg um Naturschätze ärmerer Völker zur Normalität wird, findet das Geschrei der Nazis wenn auch vorsichtig vielstimmigen Widerhall.
Wo menschliche Arbeitskraft zur ungehemmten Ausplünderung freigegeben, wo Massenarbeitslosigkeit neben explodierenden Gewinnbilanzen als »alternativlos« hingestellt wird, hat das Herrenmenschgehabe der Nazis seinen Nährboden.
Und wo durch angebliche Reformen die Gewinnbücher jener Konzerne und Großbanken voll gemacht werden, wenn ihnen Milliarden – das Geld der Menschen in diesem Land - in den Rachen geworfen werden – den Gleichen, die schon einmal Krieg und Faschismus finanziert haben - da entsteht nicht nur ein enormes Gefahrenpotential für die Demokratie. Nein - die Demokratie verschwindet.
Auch das meinte Brecht, als er schrieb:
Ihr aber lernet,
wie man sieht, statt stiert
Und handelt
statt zu reden noch und noch.
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr,
jedoch
dass keiner uns zu früh da triumphiert -
»Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch.«
(Verwendet wurden auch Zitate von Brecht, Niemöller und Wecker.)